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Fruchtbarkeit und Zucht

Verbessern Sie die Fruchtbarkeitsleistung ihrer Herde!

Milchkühe nach dem Kalben wieder trächtig zu bekommen ist für viele Landwirte eine große Herausforderung. In der Regel erholen sich die Eierstöcke der Milchkühe etwa 35 Tage nach dem Kalben wieder. Die Rückbildung der Gebärmutter ist 50 Tage nach dem Kalben abgeschlossen, womit eine neue Trächtigkeit möglich ist.  

Überall auf der Welt zeigen Hochleistungskühe zunehmende Reproduktionsschwierigkeiten, um in einer angemessenen Zeit nach dem Kalben trächtig zu werden, was zu verlängerten durchschnittlichen Tagen in Milch und einer niedrigeren Milchleistung führt.

In einer Studie wurde die Fruchtbarkeit laktierender Kühe von 66% der Landwirte zu den drei größten Herausforderungen gezählt. Brunsterkennung und eine erfolgreiche Besamung waren die am häufigsten genannten Probleme (Denis-Robichaud et al., 2018). 

Schlechte Reproduktionsleistungen werden auch mit einer höheren Wahrscheinlichkeit der Schlachtung (mehr als x4 im Vergleich zu anderen Kühen, De Vries et al., 2010) in Verbindung gebracht.

Eine andere Studie zeigte eine positive Beziehung zwischen der 21-Tage-Trächtigkeitsrate und dem wirtschaftlichen Nettoertrag (USD/Kuh pro Jahr) (Cabrera, 2014). Darüber hinaus wurde geschätzt, dass eine unzureichende Brunsterkennung in Kombination mit einer niedrigen Empfängnisrate die Bruttomarge um bis zu 20% verringert (Seegers, 2006).

Erstkalbealter

Kalbinnen sollten als unproduktive Tiere und damit als Kostenfaktor betrachtet werden. Je früher die erste Abkalbung stattfindet, desto schneller werden die Aufzuchtkosten zurückverdient. Ein Erstkalbealter zwischen 23 und 24,5 Monaten wurde mit besseren Leistungen, Gesundheit und Einkommen in der ersten Laktation von Holstein-Kühen in Verbindung gebracht (Ettema und Santos, 2004).

Zuchtschwierigkeiten in Hochleistungsbetrieben

Viele Studien weltweit berichten von einer Verringerung der Reproduktionsleistungen bei erhöhter Milchproduktivität. Die Untersuchungen zeigten jedoch, dass neben der Milchleistung selbst das Energiegleichgewicht der Hauptgrund für die Fruchtbarkeitsleistungen ist. Eine positive Energiebilanz in der Frühlaktation ist positiv mit der Trächtigkeitsrate und der ersten Brunst korreliert, während kein Zusammenhang mit der Milchleistung gefunden wurde (Patton et al., 2007).

Da die meisten Milchviehbetriebe künstliche Besamung verwenden, ist die Brunsterkennung ein Schlüsselfaktor für eine gute Fruchtbarkeit. Diese kann jedoch sowohl durch tierische als auch durch technische Faktoren beeinträchtigt werden. Obwohl das zuverlässigste Anzeichen für die Brunst bei Kühen das Stehenbleiben ist, ist es vor allem bei Hochleistungskühen deutlich schlechter sichtbar (Cutullic et al., 2010). Daher ist die richtige Brunsterkennung in Herden mit hoher Milchleistung eine zunehmende Herausforderung. Dunkle Ställe und rutschige Laufflächen haben ebenfalls einen negativen Einfluss auf die Brunsterkennung. Auch Umweltfaktoren können die Reproduktionsleistungen beeinträchtigen. Schlechte Hygiene wirkt sich auch durch ein erhöhtes Metritis-Risiko nachteilig aus. Als klimatischer Faktor wirkt sich Hitzestress besonders nachteilig auf eine erfolgreiche Trächtigkeit aus (Biffani et al., 2016).

Strategien, um mehr Kühe trächtig zu bekommen

Die Genetik kann bestehende Fruchtbarkeitsprobleme eher nicht lösen, ist aber sicherlich eine relevante Strategie zur Verbesserung der langfristigen Reproduktionsleistungen. Die Selektion auf genetische positive Fruchtbarkeitsmerkmale ist effizient, um die Serviceperiode zu verkürzen und gleichzeitig die Milchleistung zu erhöhen (Cummins et al., 2012). Ein gesunder Fortpflanzungstrakt und eine Gebärmutter, die in der Lage ist einen jungen Fötus hervorzubringen, sind von entscheidender Bedeutung. Gesundheitszustand und Produktion sind miteinander verbunden. Die Reproduktionseffizienz kann durch Ketose, Schwergeburten und Nachgeburtsverhalten beeinträchtigt werden, aber sie steht nicht in direktem Zusammenhang mit Milchfieber, verlagertem Labmagen und Mastitis. Die primären Möglichkeiten zur Beeinflussung der Fortpflanzung sind von der Energieversorgung und der spezifischen Gesundheit der Gebärmutter abhängig.

4 Tipps zur Über­wind­ung von Fort­pflanz­ungs­pro­blemen

  1. Minimieren Sie die negative Energiebilanz in der Frühlaktation
  2. Überwachen Sie die Körperkondition (BCS).
  3. Fütterungsmanagement
  4. Gewährleistung des Umweltkomforts (Licht, Bodenbelag, Liegeboxen, Tränkebecken)

Bei den kurzfristigen Strategien sollte ein starker Schwerpunkt auf die Minimierung der negativen Energiebilanz in der frühen Laktation gelegt werden, während die Kühe nicht genug Futter aufnehmen können, um ihren Energiebedarf zu decken. Eine stark negative Energiebilanz führt zu einem erhöhten Risiko für Gebärmutterentzündung und bietet eine schlechte Basis für eine erfolgreiche Besamung.

Mehrere Studien haben die Bedeutung der gesamten Trockensteherperiode hervorgehoben. Die Trockenstehzeit hat Einfluss auf die Trockenmasseaufnahme, die Energiebilanz und die Milchproduktion in der Frühlaktation und kann damit verbundenen Störungen vorbeugen. 

Im landwirtschaftlichen Betrieb kann die Abschätzung der Energiebilanz durch Body Condition Scoring (BCS) vom Abkalben bis zur Frühlaktation durchgeführt werden. Es hat sich gezeigt, dass ein BCS-Verlust in der Frühlakation stark mit einer verringerten Empfängnisrate, weniger fruchtbaren Tagen und vermehrt auftretenden Gesundheitsstörungen assoziiert ist (Middleton et al., 2019). Um die Energiebilanz während der ersten 100 Tage in Milch zu verbessern, sollte die Energieaufnahme durch Rationen mit hoher Energiedichte gefördert werden, wobei der Schwerpunkt auf Kohlenhydraten (Stärke) liegen sollte, da diese die besten Glukosevorläufer sind. 

Die Nahrungsaufnahme sollte auch durch das Fütterungsmanagement stimuliert werden. Dieser Punkt ist kritisch, da kohlenhydratreiche Rationen anfälliger für Pansenazidose, undichten Darm/Leaky Gut und Entzündungen sind. Eine längere Zeit mit leerem Futtertisch erhöht das Risiko von undichtem Darm/Leaky Gut. Pansenazidose und nachfolgender undichter Darm/Leaky Gut verursachen Leberschäden und können für Entzündungen verantwortlich sein, die sich negativ auf die Lebensdauer des Gelbkörpers auswirken (Lüttgenau et al., 2016).

Stallkonzeption und Stalleinrichtung sollten maximalen Komfort bieten, damit die Kühe ihr natürliches Brunstverhalten auch in Interaktion mit anderen Kühen bestmöglich ausdrücken können: ausreichend helle, rutschfeste Laufflächen, angemessene freie Stallabmessungen zur Vermeidung von Lahmheiten. Der Stall muss auch einen Abkalbebereich umfassen, um Komfort und maximale Hygiene bei der Geburt zu gewährleisten.  

Da hochproduzierende Kühe dazu neigen, weniger Brunstverhalten auszudrücken, müssen sekundär sichtbare Brunstzeichen (anogenitales Schnüffeln, Kinnruhe, Versuch zu besteigen) bei der Brunsterkennung berücksichtigt werden, auch wenn sie weniger zuverlässig sind. Die Verfahren zur Brunsterkennung sollten von allen beteiligten Personen festgelegt und gemeinsam genutzt werden. Alle Ereignisse im Zusammenhang mit der Fruchtbarkeit sollten in einem gemeinsamen System dokumentiert werden, um einen guten Überblick zu gewährleisten und die Möglichkeit zu bieten, die Ursachen für schlechte Leistungen zu untersuchen.

Lösungsansätze bei Fruchtbarkeitsproblemen

Die Basis für eine effiziente und gesunde Milchproduktion ist eine hohe Energieaufnahme der Kühe. Dafür müssen sie ausreichend Nährstoffe aus dem Darm aufnehmen und eine gesunde, funktionierende Leber haben, die die vom Gewebe benötigten Nährstoffe „verpacken und verteilen“ kann.

Die Leber ist entscheidend für die Glukoseproduktion und die Umverteilung von Fett zur Verwendung durch andere Gewebe. Die Leber ist nach dem Darm das erste Organ, welches Nährstoffen und anderen Verbindungen ausgesetzt ist, die aufgenommen und ins Blut transportiert werden. Toxine, die die Leberfunktion vermindern, wirken sich negativ auf die Energiebilanz einer Kuh aus. Bestimmte phytogene Produkte verbessern nachweislich die Lebergesundheit, unterstützen die Immunfunktion und erhöhen die Aufnahme von Trockenmasse.

Mykotoxine im Rinderfutter können die Futteraufnahme verringern, die Immunfunktion beeinträchtigen und die Fruchtbarkeit stören. Produkte, die die Auswirkungen von Mykotoxinen verringern, tragen wesentlich zur Verbesserung der Fruchtbarkeitsleistung bei.

ChecklisteMögliche Ursachen
Uterusinfektionen
Schlechte ImmunfunktionToxinprobleme einschließlich:
  • Mögliche Nitratvergiftung, Alkaloide (pflanzlichen Ursprungs)
  • Mykotoxine, einschließlich Aflatoxin, Deoxynivalenol, T-2, Ochratoxin A.
  • Andere Immunanforderungen, allgemeine Infektionen
Schlechte GebärmutterrückbildungVerminderte Leberfunktion:
  • Fettleber-Syndrom, weniger Nährstoffe zur Verfügung gestelltMykotoxine, die die Leber beeinflussen (Aflatoxin, Deoxynivalenol, T-2)
Direkte Wirkung von Mykotoxinen auf die Gebärmutter: Zearalenon hat eine östrogene Wirkung und kann zu Geärmutterinfektion und Vaginitis führen
Energieausgleich
LeberfunktionVerminderte Lebereffizienz aufgrund von Mykotoxikose, einschließlich Aflatoxinen, Desoxynivalenol, T-2, Ochratoxin A.
Verminderte FutteraufnahmeSchlechte Futteraufnahme kurz vor und kurz nach dem Kalben
Toxine aus Pflanzen, Schimmelpilzen und Pilzen (Mykotoxine) Rationsgestaltung einschließlich Schmackhaftigkeit, Verdaulichkeit und Nährstoffdichte
Fruchtbarkeitsleistung
Beeinträchtigtes ReproduktionssystemToxinprobleme einschließlich:
  • Mykotoxine: hauptsächlich Zearalenon, aber auch Mutterkornalkaloide und Trichothecene vom Typ A und B.Zearalenon: Neben Uterusinfektionen und Vaginitis können die Empfängnisraten gesenkt werden. Unfruchtbarkeit, Aborte, Eutersekrete, geringe Spermienproduktion und mehr können auftreten.

Fazit

Die Verbesserung der Reproduktionsleistungen erhöht die Rentabilität am Milchviehbetrieb, erfordert jedoch ein strenges Management und eine ausgewogene Fütterung. Wegen ihres sehr starken Einflusses auf die Eierstockaktivität und die Empfängnisrate sollte der Verbesserung der Energiebilanz in der Frühlaktation besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Kohlenhydratreiche Rationen verbessern effizient die Energiebilanz, erhöhen jedoch das Risiko von Azidose, undichtem Darm und Entzündungen. Futterzusätze, die die Pansengesundheit und die Leberfunktion verbessern, helfen, diesen Risiken vorzubeugen.

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Quellen
Biffani, Bernabucci, Vitali, Lacetera, and Nardone. 2016. Short communication: Effect of heat stress on nonreturn rate of Italian Holstein cows. J. Dairy Sci. 99:5837–5843 
Cabrera. 2014. Economics of fertility in high-yielding dairy cows on confined TMR systems. Animal 8:s1, pp 211–221 
Cutullic, Delaby, Gallard and Disenhaus. 2010. Dairy cows’ reproductive response to feeding level differs according to the reproductive stage and the breed. Animal, 5:5, pp 731–740 
Cummins, Lonergan, Evans, Berry, Evans, and Butler. 2012. Genetic merit for fertility traits in Holstein cows: I. Production characteristics and reproductive efficiency in a pasture-based system. J. Dairy Sci. 95 :1310–1322 
Crossley, Harlander-Matauschek, and DeVries. 2017. Variability in behavior and production among dairy cows fed under differing levels of competition. J. Dairy Sci. 100:3825–3838 
Denis-Robichaud, Cerri, Jones-Bitton, LeBlanc. 2018. Dairy producers’ attitudes toward reproductive management and performance on Canadian dairy farms. J. Dairy Sci. 101:850–860 
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De Vries, Olson, Pinedo. 2010. Reproductive risk factors for culling and productive life in large dairy herds in the eastern United States between 2001 and 2006. J. Dairy Sci. 93 :613–623 
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Lüttgenau, Lingemann, Wellnitz, Hankele, Schmicke, Ulbrich, Bruckmaier, and Bollwein. 2016. Repeated intrauterine infusions of lipopolysaccharide alter gene expression and lifespan of the bovine corpus luteum. J. Dairy Sci. 99:6639–6653 
Middleton, Minela, and Pursley. 2019. The high-fertility cycle: How timely pregnancies in one lactation may lead to less body condition loss, fewer health issues, greater fertility, and reduced early pregnancy losses in the next lactation. J. Dairy Sci. 102:5577–5587 
Seegers. 2006. Economics of the reproductive performance of dairy herds. World Buiatrics Congress 
Patton, Kenny, McNamara, Mee, O’Mara, Diskin, and Murphy. 2007. Relationships Among Milk Production, Energy Balance, Plasma Analytes, and Reproduction in Holstein-Friesian Cows. J. Dairy Sci. 90:649–658 
Rutherford, Oikonomou and Smith. 2016. The effect of subclinical ketosis on activity at estrus and reproductive performance in dairy cattle. J. Dairy Sci. 99:4808–4815 
Suthar, Canelas-Raposo, Deniz, and Heuwieser. 2013. Prevalence of subclinical ketosis and relationships with postpartum diseases in European dairy cows. J. Dairy Sci. 96 :2925–2938 
Yasui, McCann, Gilbert, Nydam, and Overton. 2014. Associations of cytological endometritis with energy metabolism and inflammation during the periparturient period and early lactation in dairy cows. J. Dairy Sci. 97 :2763–2770